Die Geschichte des Wiener Praters ab 1766

Der Prater war einst ein kaiserliches Jagdrevier und nur dem Adel zugänglich bis der österreichische Kaiser Josef II. im Jahr 1766 das Areal den Wienerinnen und Wienern als Erholungsgebiet schenkte. Und weil der Kaiser auch die Errichtung von Gastronomie-Ständen genehmigte, dauerte es nicht lange, bis am Rande des einstigen Jagdreviers der Vorläufer des heutigen Wurstelpraters entstand. Erste Gastbetriebe wurden errichtet, Wirte, Kaffeesieder und Lebzelter siedelten sich an, Schaukeln, Ringelspiele und Kegelbahnen folgten.

Weltausstellung 1873 im Prater

1873 fand die erste und bislang einzige Weltausstellung in Wien im Bereich des Praters statt. Damals zeigten 53.000 Aussteller auf einem Gelände von rund 2,3 Mio m2 ihre Leistungen mit einer Akzentuierung auf kulturelle Themen. Die als Zentrum der Ausstellung gebaute 84 Meter hohe Rotunde mit einem Kuppeldurchmesser von 109 Meter fiel im Jahr 1937 einem Brand zum Opfer. An ihrer Stelle steht heute das Hauptgebäude der Wiener Messe.

Hutschenschleuderer und Wäschermädeln

1895 wurde das Vergnügungsareal "Venedig in Wien" errichtet, 1897 in dessen Mitte das Riesenrad, eines der Wahrzeichen der Stadt. Der Prater wurde zusehends zu einem Ort der Kultur und Unterhaltung. Die "bessere" Gesellschaft fuhr hier mit dem Fiaker aus, Kadetten und Wäschermädel hatten ihr Rendezvous, "Hutschenschleuderer" und Kuriositätenkabinette wetteiferten um die Gunst des Publikums, Drehorgeln, Heurigensänger und Damenkapellen gaben ebenso ihre Melodien zum Besten wie Walzerkönig Johann Strauß oder die Operetten-Komponisten Joseph Lanner und Carl Michael Ziehrer. Zur Unterhaltung der Kinder wurden etliche Puppentheater in einfachen Holzbuden errichtet, von denen der lustige Hanswurst eine Hauptrolle spielte. Nach ihm wurde auch der Wurstelprater benannt.

Wiederaufbau nach 1945

1938 ging der Prater in das Eigentum der Gemeinde Wien über. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Pratergeländes durch zahlreiche Bombentreffer sowie durch den Bau von Schützen- und Splittergräben zerstört. Ein Großteil des Wurstelpraters fiel im April 1945 einem Brand zum Opfer. Nach 1945 wurde der Wurstelprater durch Privatinitiativen wieder aufgebaut, die verwüstete Praterlandschaft wurde durch das Stadtgartenamt wieder aufgeforstet.

Robert Stolz, Graham Greene & Helmut Qualtinger

Viele Schriftsteller und Komponisten, unter ihnen Adalbert Stifter, Felix Salten, Peter Altenberg, Robert Stolz und nicht zuletzt Graham Greene und Helmut Qualtinger haben die eigene Atmosphäre im Prater auch literarisch bzw. musikalisch für die Nachwelt festgehalten. Nicht zuletzt anhand dieser Aufzeichnungen sind sämtliche Facetten dieses so wichtigen Stadtraumes in ihrer Entwicklung durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte nachzuvollziehen.

"Hereinspaziert, meine Damen und Herren!", ins Pratermuseum

Das Pratermuseum zeigt eindrucksvoll an Hand alter Erinnerungsstücke die schaurig-schöne Geschichte des Wiener Praters.
Im markanten Gebäude des Planetariums ist das altehrwürdige Pratermuseum zu Hause. An Hand vieler alter Erinnerungsstücke wird die Geschichte der Entstehung des Wiener Praters vor den Augen der Besucher lebendig.

Diese Zeugen aus vielen Jahrzehnten Pratergeschichte wurden von dem Wiener Heimatforscher Hans Pemmer in mühevoller Kleinarbeit zusammen getragen und der Stadt Wien geschenkt. Heute sind sie im Pratermuseum, einer Außenstelle des Wien Museums, ausgestellt und erzählen G'schichteln und Geschichte aus einer Zeit, als Wäschermädeln, Bierkutscher und Pferdedroschken das Wiener Stadtbild prägten.

Neben Gemälden und Fotos sind auch historische Ringelspielfiguren, der alte Wahrsageautomat, die legendäre Bauchrednerpuppe Maxi oder der mächtige Lindwurm einer alten Grottenbahn zu bewundern. Athleten und Ringkämpfer, Kolosse und Zwerge, Künstler ohne Unterleib und andere Kuriositäten entführen die Besucher charmant in die Vergangenheit.


Pratermuseum

2., Oswald-Thomas-Platz 1, (Planetarium beim Riesenrad)

Tel. 726 76 83
www.wienmuseum.at


Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag & Feiertag, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr
Geschlossen: 1.1., 1.5., 25.12. sowie Ostermontag, Pfingstmontag und andere Feiertage, die auf einen Montag fallen.
Freier Eintritt jeden ersten Sonntag im Monat!